Montag, 18. Oktober 2010

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Hallo Ihr Lieben,
es tut mir Leid, dass ich schon so lange nicht mehr geschrieben haben. Aber da mein Rundbrief vor ungefaer einer Woche fertig geworden ist, seid Ihr ja einigermassen informiert und habt auch die traurige und sehr bewegende Nachricht: den Tod von Pater Viktor mitbekommen.

Seminar in Trujillo :
Vom 5. Oktober bis zum 8. Oktober hatte ich mit den vier weiteren Voluntarios des Nordens ein Seminar in Trujillo. Wir waren in einem kleinen Ort Petrigal, ein bisschen ausserhalb von Trujillo, in dem am Morgen und Mittag purer Sonnenschein war. Es war eine ganz ruhige Gegend mit viel Baeumen (also fuer Peru) und Bergen. Wir haben in einem Haus, genannt “Katilandia” gewohnt, das einen grossen Fussballplatz hatte, einen gemuetlichen Innenhof , ein Schwimmbad (mit eiskaltem Wasser!), grosse Zimmer, … und leider nur kalte Duschen. Ich glaube das Haus, fuer Seminare, wurde von eine Deutschen gebaut.

Seminar-Trujillo-4-

Die Tage waren echte Erholung!
…Deutsch reden, ohne Kopfzerbrechen
… sich austauschen, ueber Probleme offen reden, Fotos anschauen,…
…Ideen fuer Arbeit (Gruppenstunden, Unterricht,… ) sammeln
… lachen, ein wenig kochen, Lagerfeuer mit Stockbrot machen, singen, …

Das leckere peruanische Essen, das eine liebe Dame jeden Tag fuer uns kochte, hat zu der guten Stimmung beigetragen.

Allerdings haben sich bei mir in der Nacht von Donnerstag auf Freitag irgendwelche Parasiten, Bakterien oder so was aehnliches in meinen Magen oder Darm eingeschlichen. Die ganze Nacht lag ich mit Bauchkraempfen im Bett und am Morgen musste ich mich uebergen und hatte Durchfall (Allerdings plagte mich der Durchfall schon zwei Wochen zuvor, aber Genauigkeiten lass ich hier lieber aus ;-) ). Mir ging es auf alle Faelle Hundeuebel und an die Heimreise am Nachmittag war gar nicht zu denken.
Am Mittag sind wir alle dann erst einmal zu meiner “Tante” Nancy, die Gott sei Dank in Trujillo wohnt, gefahren. Alle waren ganz besorgt. Nancy holte extra einen Arzt nach Hause, der mich dann mit einfach Mitteln untersuchte und auf meinem ganzen Koerper rumdrueckte, sogar auf meinen Fingernaegeln. War bestimmt fuer was gut.
Es war so gut, dass Karen, unsere Betreuerin, da war und uebersetzen konnte…, was haett ich bloss gemacht, wenn ich alleine gewesen waere?
Der Arzt hat mir gleich ein Antibiotikum verschrieben und so einen roten, sehr unangenehm, schmeckenden Saft (Electroral), 3 Liter!!, von dem ich 2 Liter bis am Abend getrunken haben musste. Den Freitagmittag hab ich ganz viel geschlafen, waehrend die anderen Voluntarios zum Teil abreisten oder in Trujillo noch ein bisschen Bummeln waren.
Meine “Tante” Nancy ist uebrigens voll cool drauf. Sie hat alle Voluntarios zum Essen eingeladen, drei durften bei ihr uebernachten und sie hat sie auch gleich eingeladen, sie ein weiteres Mal zu besuchen. Mir braucht sie das nicht zu sagen, weil fuer sie ist es selbstverstaendlich, dass ich jederzeit kommen kann, weil ich praktischerweise zur Familie gehoere.
Die ganze Familie kuemmerte sich ruehrend um mich. Trotzdem hab ich mich nach Hause gewuenscht, hatte ein bisschen Heimwehgefuehle.
Komisch aber, wenn ich krank bin, hab ich ganz gern Mama, Papa oder ganz Nahe stehende Menschen um mich herum.
Am Samstag ging es mir auch schon besser und ich bin mit der ganzen Familie mit dem Auto nach Reque gefahren. Mit grosser Sorge wurde ich von Kitty am Abend empfangen. Sie hat sich die ganze Zeit gefragt, ob sie was falsch mit dem Essen gemacht hat oder woher meine Krankheit kommt.
Ein bisschen anstrengend fuer mich war die Ueberraschungsfeier fuer eine Tante am Abend. Grosse Geburtstagstorte, Tanz und gutes Essen und mir ging es einfach nicht gut und ich wollte schlafen. Irgendwie hat das keiner so richtig verstanden, bis ich dann einfach kurz eingeschlafen bin. (Das war so gegen 23.30 Uhr!) Toño mein Gastvater meinte, dass es vielleicht besser waere, wenn wir gehen. War ich vielleicht erleichtert!

… von Tag zu Tag wurde es ein bisschen besser und am Dientag bin ich wieder arbeiten gegangen. Natuerlich war ich noch ein bisschen schwach von dem Antibiotikum und der Suppen, Zwieback, Tee- ernaehrung.


Karatetraining in der Schule und Karatetraining mit den Kindern der Gemeinde:
Ich weiss nicht ob man das Training nennen kann…, denn die Kinder haben ueberhaupt keine Kondition. Nach fuenf Minuten Bewegung (damit mein ich ein wenig rennen) sind sie alle schon fertig. Ausserdem sind alle ganz scharf darauf Karate lernen, aber sie wollen den Sinn von Karate einfach nicht verstehen. Ich weiss nicht ob das an meiner Sprache liegt oder ob sie einfach eine ganz andere Vorstellung im Kopf haben und meine Erklaerungen nicht akzeptieren wollen. Am liebsten wollen die Kids einfach nur kaempfen mit Fuss und Faust.
So was wie Aufwaermen oder Dehnen kennen die Kleinen gar nicht. Finden sie auch absolut oede und langweilig.
Im Moment macht mir das echt ein bisschen Sorgen und es ist fuer mich total schwierig da einen geeigneten, sinnvollen und guten Mittelweg zu finden. Aber ich bin ganz stark am Nachdenken.

Miraflores:
Die Schule mitten in der Wueste, mit einem Lehrer und Kinder zwischen 6 und 13 Jahren in einem Raum. Mein erster Tag in der Schule am Mittwoch:
Als ich gegen 9.00 Uhr in den Raum eingetreten bin, lag ein kleiner Junge schlafend auf der Schulbank und die anderen Schueler waren fleissig am Lernen.
Der Lehrer erklaerte mir, dass der schlafende Junge krank sei, ins Krankenhaus muss und sein Vater gleich komme. Ich hab mir dann auch gar nichts weitergedacht, hab den Jungen einfach schlafen gelassen. Als ich dann den Vater schreien gehoert hab und der Junge mit viel Angst im Gesicht aufgestanden ist, hab ich erst gemerkt, dass die Backe des Jungen voll mit Blut war und der Tisch verschmiert war und sich schon viele Fliegen darueber hermachten. Am liebsten haette ich dem Jungen die dreckige Wunde gereinigt, aber leider konnte ich nichts machen, da ich zum einen weder Wasser oder mein erste Hilfe Set dabei hatte, und zum anderen der strenge Vater den Jungen schon am Arm hilt und mit ihm auf dem Weg war.
Mit der ersten Klasse hab ich eine Stunde Mathematik gemacht. Ich muss sagen ich hab den Lehrer am Anfang ein bisschen bewundert, wie er es schafft alle 26 Kinder gleichzeitig zu unterrichten. Aber als der Lehrer dann mit einem Linealaehnlichen Holzstab duch das Klassenzimmer ist und auf die Tische gehauen hat, bin sogar ich zusammengezuckt. Aber das war noch nicht alles. Waehrend ich anschliessend mit den Aelteren ein bisschen Deutschunterricht machte, kam der Lehrer doch tatsaechlich (ich kann es immer noch nicht glauben!!!!) und hat zwei Jungen ploetzlich bis zu drei/viermal auf die Finger bzw. die Hand geschlagen! Ich war und bin immer noch einfach nur schockiert und baff! Mir fehlen die Worte! Die Jungen waren ganz still und die Gesichtsfarbe wechselte sich ganz schlagartig.
Ich hab den “Grund” des Schlagens nicht verstanden (Fuer mich gibt es ueberhaupt keinen Grund Kinder zu schlagen).
Das Schlimme fuer mich aber ist, ich weiss nicht was ich machen soll. Ich will nicht das die kleinen Wesen Handtatzen bekommen, aber von meiner Gastmama hab ich mir erklaeren lassen, dass in Peru noch sehr viel geschlagen wird, zu Hause und in Schulen, dass es zwar nicht legal ist, aber dass ich, wenn ich z.B. den Lehrer anzeigen wuerde mit meiner Aussage alleine darstehen wuerde, denn der Lehrer wuerde abstreiten , die Eltern der Kinder auch, weil es fuer sie nicht schlimm ist, wahrscheinlich weil sie selber mal draufhauen und die Kinder selber wuerden aus Angst nichts sagen. Also fuer mich ist das sinnlos.
Ich werde weiterhin in die Schule gehen, auch wenn mir das sehr weh tut, wenn die Kinder geschlagen werden, aber ich habe die Hoffnung, dass wenn ich da bin, dass der Lehrer sich ein bisschen mehr zusammenreist.

Am Donnerstag hab ich meine erste kleine Torte fuer meine “Tante” Vero gebacken :-) ! Hier ein Bild:
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Den Teig (Rueblitorte) hab ich selber gemacht, aber bei der Verzierung hatte ich ein bisschen profesionelle Hilfe von meiner Gastmama Kitty.

Ausserdem hab ich mich mit dem Kinderchorleiter Armndo getroffen, weil er mir Partituren fuer die Spanischen Lieder im Gottesdienst hat. So was wie Buecher haben die Kirchen hier nicht. Die Leute koennen alle Lieder fast auswendig und wenn nicht gibt es immer noch einen Vorsaenger der den richtigen Text singt. Ich wollte schon lange die Stuecke mit meiner Floete spielen, aber da ich die Melodien nicht alle kenne, kann ich mir nicht einmal Noten selber schreiben.
Armando hat mir Partituren gegeben und mit mir (er Gitarre und ich Floete) geprobt. Ganz spontan hab ich dann im Gottesdienst am Abend ihn begleitet. Gestern Morgen hab ich mit dem Kinderchor gespielt und heute Abend spiel ich im Gottesdienst vor der grossen Prozession. Bin voll eingespannt.
Vielleicht muss ich kurz zur Erklaerung sagen, dass im Oktober in Reque, der “Señor de los Milagros” ganz gross gefeiert wird. Jeden Abend ist Gottesdienst und am 18. Oktober , also heute und am 28. Oktober sind bis zu 6-stuendige Prozessionen.

… von meiner “Tante” Vero hab ich eine Panfloete geschenkt bekommen. Leider hab ich bis jetzt in ganz Reque noch keinen Lehrer gefunden, aber ich bin selber ein bisschen am ueben ;-) !

So Ihr Lieben, dass ist das Neuste aus Reque! Ich denk ganz viel an euch und vermiss euch!!
Geniesst den goldgelbenen, gemuetlichen Herbst. Danke fuer die vielen Kommentare und Briefe! Ich freue mich jedesmal riessig!!
Abrazos!!!

Meine Adresse hier ist:
Familie Arbulu- Carrion
Calle Jose Balta N 177- Reque- Chiclayo- Peru

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